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Einfach ein anderes WordPress.com Blog

Zu: Revolution.com

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Der Spiegelfechter rechnet hier mit der hübschen Idee ab, die Revolution würde sich im weiten web organisieren. Weil auf revolution.com auch die Restaurationsbewegung mitliest, stößt der umstürzlerische Konspirantenzirkel am Geheimtreffpunkt auf die vorinformierte Staatsgewalt, was seinen Umtrieb im Keim erstickt. Und überhaupt: Das Internet bietet nicht nur Raum für staatlich organisierte Propaganda – ein regierungsfreundlicher blogeintrag wird in China mit 50 Cent entlohnt – sondern wirkt durch sein großzügiges Angebot an Pornographie und oberflächlichem Amüsement generell entpolitisierend.  Vorhandene politische Partizipationsmöglichkeiten, wie die Online-Petitionen des Bundestages, entpuppten sich bei näheren Hinsehen als scheindemokratische Fassaden, die einzig bewirken, dass die Menschen ihren Unmut nicht mehr auf der Straße artikulieren.

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Soweit, so richtig. Weder taugt das Internet im revolutionären Ernstfall zur Geheimabsprache, noch ist es per se ein politisches Medium. Hierzulande besteht darin auch nicht das bedeutende Potential des Internet. Vielmehr findet ein Emanzipationsprozess statt, dessen langfristige Wirkung noch nicht abgeschätzt werden kann: Das vielleicht wichtigste Herrschaftsinstrument in modernen Mediendemokratien, die in wenigen Händen konzentrierte Verfügungsmacht über Informationen, wird radikal aufgesprengt. Die mit der Entwicklung des Internet einhergehende Loslösung der Informationsproduktion von ökonomischen Zugangsbarrieren bricht mit der linear hierarchischen Beziehung zwischen den wenigen Eigentümern an informationellen Produktionsmitteln und den vielen Rezipienten. Die neu entstehenden „bottom-up“ Strukturen stellen zwangsläufig den Objektivitätsanspruch des traditionellen Journalismus in Frage und decken langfristig seinen manipulativen Charakter auf: Immer mehr Menschen nehmen die Möglichkeit wahr, ihre Wirklichkeitsauffassung nicht mehr von der suggestiven Informationsselektion einer Hand voll gewinnorientierter Medienunternehmer abhängig zu machen. Zwar ist gerade die Auswahl der gebloggten Realitätsschnipsel  und deren Darstellung subjektiv, von Eigeninteressen geleitet und selten zu authentifizieren, aber das unterscheidet sie nur im Grad der Ausprägung von SZ und Welt. Im Gegensatz zu diesen ist der Blogger aber nicht auf die Generierung von wachsendem Profit angewiesen und deswegen prinzipiell unabhängig von Eigentümer- und Inevstorinteressen, der marktrelevanten Zielgruppe oder der Werbeindustrie.

Dass ohnehin schlechter gestellte Bevölkerungsschichten, Einkommensschwache und sog. Bildungsferne, das Internet dahingehend viel seltener nutzen und ihre vermeintlichen Interessen dort von Dritten vertreten werden, dass nachwievor die allergrößte Mehrheit Informationen von Spiegelonline und Bild.de bezieht, dass seichte Unterhaltungsangebote im Vordergrund stehen, das ist das alte Lied und es ist auch nicht zu erwarten, dass sich daran kurzfristig etwas ändert. Auch der leidige Avantgardismus, die  Selbstreflexivität homogener Onlinecommunities, die zentrifugale Tendenz der Öffentlichkeitszersplitterung, ist der konkreten Verwirklichung emanzipatorischer Zielsetzungen sicher nicht dienlich.

Nichtsdestotrotz ist im Internet erstmals eine Infrastruktur bereitgestellt, die die so noch nie dagewesene Möglichkeit eröffnet, in einem fortlaufenden Prozess dem Ideal basisdemokratischen Informationsproduktion näher zu kommen, unabhängige Aufklärungsarbeit zu leisten und damit schleichend politische Bewusstseinsänderungen zu bewirken. Dieser alte Traum bleibt der Hoffnungsschimmer für politische Veränderungen. Vielleicht greifen diese Mechanismen nicht in China oder Birma, und sicherlich wird das Konzept auch hierzulande nicht von einer großen Mehrheit getragen. Zweifellos ist das Internet nicht das Instrument zur Organisation der Revolution, wohl aber das Medium, das den Boden für selbige nähren kann.

Geschrieben von riots soundscape

27. Januar 2010 um 15:49

Veröffentlicht in Babylon

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